Miezi, die graue Katze, hatte drei Kinder: die Kater Schlumper und Miezek und das Katzenmädchen Klara.

Schlumper war der dunkelste von den dreien, Miezek hatte haargenau die Farbe seiner Mutter und Klara war die Kleinste und hatte das hellste Fell.

Die Kätzchen spielten den ganzen tag im Haus. Sie tobten herum, sprangen nach Bändern und schlugen mit den Pfötchen nach allem, was sich bewegte. Auch nach ihren eigenen Schwänzchen!

Als einmal eine Spinne über den Fussboden huschte, stürzten sich die drei sofort auf sie. Doch die Spinne flüchtete die Wand hoch, wo die Kätzchen sie nicht mehr erreichen konnten. Mit blitzenden Augen verfolgten sie den Weg der Spinne. Miezek bleib am längsten sitzen und starrte hinauf zur Decke, wohin die Spinne entkommen war. Eines Tages sagte Mutter Miezi: „Schluss jetzt mit den Kinderspielen! Heute gehen wir nach draussen. Es wird Zeit, dass ihr lernt, was alle Katzen lernen müssen!“

In der Türe zum Hof wurden die drei von der Sonne geblendet. Aber es dauerte nicht lange, und sie fühlten sich richtig wohl im Freien. Was es hier alles zu sehen gab!

Die Kätzchen tobten hinter Blättern her, versuchten Grashalme zu fangen und entdeckten schliesslich eine Libelle. Es sah aus, als ob die Libelle bewegungslos in der Luft stünde.

Miezek sprang nach ihr und machte einen gewaltigen Salto! Die Liebelle flog wie der Blitz in eckigen Bahnen zur Scheune. Schlumper traute sich zuerst hinein.

In der Scheune war es ziemlich dunkel. Doch bald entdeckten sie eine Maus. Sie scheuchten die nach draussen und verfolgten sie kreuz und quer über den Hof, bis sie in der hintersten Hofecke in einem Mauseloch verschwand. Die Kätzchen wären enttäuscht, aber Mutter Miezi war stolz auf ihre Kinder. Sie waren doch richtige kleine Löwen!

Bei den Hühnern sassen eine Henne und ein Sperling in der Futterschüssel. „Holen wir uns den Kleinen?“ fragte Klare, und schon stürzten sich alle drei auf den Sperling. Die erschreckte Henne gackerte laut und flatterte, wild mit den Flügeln schlagend, zum Lattenzaun. Der Sperling aber sass längst im Apfelbaum. „Hier draussen macht das Spielen Spass!“ sagte Miezek.

„Besonders, wenn alle Angst vor uns haben!“ sagte Schlumper und sprang kopfüber ins Gras. Plötzlich tauchte vor ihnen zwei lange, rosa Ohren auf. Grosse, ängstliche Augen starrten die Kätzchen an. „Es flieht! Hinterher!“ riefen die drei gleichzeitig.

Sie rannten über die Wiese, rannten immer weiter, hinter dem erschrockenen Kaninchen her. Juchuh! Welch ein Spass! Was für ein Spass....Plötzlich sahen sie direkt vor sich einen riesigen Rachen mit einer roten Zunge und spitzen weissen Zähnen. Erschreckt machten die Kätzchen kehrt. Der bellende Hund war ihnen dicht auf den Fersen. Mama, Hilfe, Mama!“ riefen die drei, eines lauter als das andere.

Mutter Miezi erschien im letzten Augenblick. Sie machte einen Buckel und fauchte grimmig. Der Hund kläffte noch ein paar Mal – und verschwand.

„Wo wart ihr denn? Ich habe euch gesucht!“ fragte Mutter Miezi besorgt.

„Wir wollten uns alles ansehen“, sagte Klara, die als erste wieder Mut fasste. „Alle sind weggelaufen, als wir sie jagen wollten“, sagte Schlumper. „Alle haben Angst vor uns!“. „Nur dieser Hund nicht!“ sagte Miezek kleinlaut.

„Seht ihr“, sagte Mutter Miezi, „das müsst ihr lernen. Nicht alle hier draussen haben Angst vor euch“. Zusammen kehrten sie zum Haus zurück. Schlumper, Miezek und Klare kuschelten sich eng an ihre Mutter, denn sie waren müde von all den Abenteuern. Bald schliefen sie glücklich ein. Nur Schlumper überlegte noch eine ganze Weile, was sie wohl morgen alles erleben würden.

Eine kleine Gesichte von Piotr Wilkon mit Bildern von Jozef Wilkon